Ein Fahrzeug aus dem Ausland zu importieren kann sich finanziell lohnen - besonders bei Neuwagenreimporten aus EU-Ländern. Allerdings gibt es zahlreiche Vorschriften und Formalitäten zu beachten. Dieser Ratgeber erklärt den gesamten Importprozess Schritt für Schritt.
Import aus EU-Ländern vs. Drittländern
Die Unterschiede beim Import sind erheblich:
Aspekt
EU-Import
Drittland-Import
Einfuhrzoll
Keiner
6,5 - 22%
Einfuhrumsatzsteuer
19% auf Nettokaufpreis
19% auf Wert + Zoll
Zollanmeldung
Nicht nötig
Pflicht
TÜV-Einzelabnahme
Selten nötig (EU-Typgenehmigung)
Fast immer erforderlich
COC-Dokument
Meist vorhanden
Nicht verfügbar
Ein EU-Import spart deutlich Zeit und Kosten. Besonders beliebt sind Reimporte aus Dänemark, den Niederlanden und Belgien, wo Neuwagenpreise oft 10-25% unter dem deutschen Listenpreis liegen.
Kosten beim Auto-Import
Rechnen Sie mit folgenden Kosten:
Kostenart
EU-Import
Drittland
Überführung
200 - 1.000 €
1.000 - 4.000 €
Zoll
0 €
6,5-22% vom Wert
EUSt (19%)
Auf Nettokaufpreis
Auf Wert + Zoll
TÜV-Einzelabnahme
0 - 200 €
300 - 1.500 €
Zulassung
30 - 80 €
30 - 80 €
Umrüstung
0 - 500 €
500 - 5.000 €
TÜV-Einzelabnahme und Umrüstungen
Fahrzeuge ohne EU-Typgenehmigung (EG-Übereinstimmungsbescheinigung/COC) benötigen eine Einzelabnahme beim TÜV. Typische Umrüstungen:
Scheinwerfer: US-Fahrzeuge haben andere Leuchteinheiten (Umrüstung 500-2.000 €)
Tacho: Umstellung auf km/h oder Kombianzeige (200-500 €)
Abgasnorm: Katalysator-Anpassung für Euro-Norm (500-3.000 €)
Seitenblinker: In der EU Pflicht, in vielen Ländern nicht (50-200 €)
Nebelschlussleuchte: In Deutschland Pflicht (100-300 €)
Die TÜV-Einzelabnahme kostet je nach Aufwand zwischen 300 und 1.500 Euro. Vereinbaren Sie vorab einen Termin und klären Sie, welche Unterlagen benötigt werden.
Tipps für den Auto-Import
Beachten Sie folgende Empfehlungen:
Prüfen Sie vorab, ob die Ersparnis die Importkosten übersteigt
Fordern Sie das COC-Dokument beim Kauf an - spart die Einzelabnahme
Nutzen Sie Reimport-Händler für EU-Neuwagenimporte - die kennen alle Formalitäten
Prüfen Sie die Fahrzeughistorie mit Diensten wie Carfax (USA) oder AutoDNA (Europa)
Achten Sie auf die Garantie: Manche Hersteller gewähren keine Garantie auf Reimporte
Häufige Fehler beim Auto-Import
Vermeiden Sie diese Fallstricke:
MwSt vergessen: Beim Privatkauf aus der EU müssen Sie die deutsche MwSt (19%) selbst ans Finanzamt abführen
Tachostand nicht prüfen: In manchen Ländern ist Tachomanipulation weit verbreitet
Keine Vorprüfung: Klären Sie VOR dem Kauf die Zulassungsfähigkeit in Deutschland
Versicherungsschutz: Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug für die Überführung versichert ist
Kosten und Vergleich: Auto import
Position
Kosten/Wert (von)
Kosten/Wert (bis)
Grundkosten / Basisrate
100 €/Monat
500 €/Monat
Einmalkosten / Anzahlung
0 €
5.000 €
Jaehrliche Fixkosten (Steuer+Vers.)
400 €
1.500 €
Variable Kosten (Kraftstoff/Strom)
80 €/Monat
250 €/Monat
Wartung und Verschleiss pro Jahr
300 €
1.000 €
Wertverlust pro Jahr (Durchschnitt)
1.000 €
5.000 €
Preise inkl. MwSt., Stand: Maerz 2026. Abhaengig von Fahrzeugmodell, Region und Werkstatt.
Haeufige Fehler vermeiden
❌
Nur die Monatsrate vergleichen
Vergleichen Sie immer die Gesamtkosten ueber die gesamte Laufzeit inklusive Anzahlung, Schlussrate, Zinsen und Gebuhren. Eine niedrige Monatsrate mit hoher Schlussrate kann insgesamt deutlich teurer sein.
❌
Nebenkosten unterschaetzen
Versicherung, Steuer, Wartung, Reifen und Kraftstoff koennen bei einem Mittelklassewagen 300-600 Euro pro Monat betragen. Rechnen Sie diese Kosten in Ihr Budget ein, bevor Sie sich fuer ein Fahrzeug entscheiden.
❌
Ohne Verhandlung kaufen/leasen
Bei Neuwagen sind 10-20% Rabatt gaengig, bei Jahreswagen und Tageszulassungen oft noch mehr. Nutzen Sie Online-Konfiguratoren und Vermittler (z.B. carwow, MeinAuto.de) als Verhandlungsbasis.
❌
Kilometerbegrenzung ignorieren
Bei Leasing und Abo-Modellen achten Sie auf die vereinbarte Jahreskilometerlage. Ueberkilometer kosten 5-25 Cent pro km und koennen bei 10.000 Mehrkilometern 500-2.500 Euro Nachzahlung bedeuten.
❌
Vertragsbedingungen nicht lesen
Pruefen Sie Kuendigungsfristen, Rueckgabebedingungen, Versicherungsanforderungen und Wartungspflichten. Versteckte Klauseln koennen hohe Nachforderungen verursachen.
💡 Experten-Tipp: Berechnen Sie immer die Vollkosten pro Kilometer: Alle Kosten (Anschaffung/Rate, Versicherung, Steuer, Kraftstoff, Wartung, Verschleiss, Wertverlust) geteilt durch die jaehrliche Fahrleistung. Ein Kleinwagen liegt bei 25-35 Cent/km, ein Mittelklassewagen bei 40-60 Cent/km. Der ADAC Autokostenrechner berechnet dies fuer ueber 9.000 Modelle kostenlos.
Kostenvergleich nach Fahrzeugklasse
Die Kosten fuer Auto Import variieren je nach Fahrzeugklasse erheblich. Hier ein Ueberblick, mit welchen Kosten Sie rechnen muessen:
Fahrzeugklasse
Kosten (typisch)
Zeitaufwand
Kleinwagen (VW Polo, Opel Corsa)
am guenstigsten, einfache Technik
kuerzer
Kompaktklasse (VW Golf, Ford Focus)
mittlerer Bereich
Standard
Mittelklasse (BMW 3er, Audi A4)
20-30% ueber Kompaktklasse
Standard
SUV (VW Tiguan, BMW X3)
30-50% ueber Kompaktklasse
laenger
Oberklasse (BMW 5er, Mercedes E)
50-100% ueber Kompaktklasse
laenger
Premiummarken (BMW, Mercedes, Audi) sind durch hoehere Teilepreise und laengere Arbeitszeiten generell teurer. Freie Werkstaetten bieten hier das groesste Einsparpotenzial gegenueber Vertragshaendlern.
Wann sollten Sie handeln?
Viele Autobesitzer zoegern Reparaturen und Wartungsarbeiten hinaus, um Kosten zu sparen. Das ist fast immer ein Fehler, denn kleine Probleme werden mit der Zeit groesser und teurer. Als Faustregel gilt: Sicherheitsrelevante Probleme (Bremsen, Lenkung, Reifen, Beleuchtung) sofort beheben. Verschleissteile (Filter, Fluessigkeiten, Riemen) nach Herstellervorgabe tauschen. Komfortprobleme (Geraeuscheige, Klimaanlage) zeitnah, aber nicht notfallmaessig angehen.
Besonders wichtig: Kontrollleuchten im Kombiinstrument nie ignorieren. Die Motorleuchte (gelb) zeigt Abgasprobleme an und sollte zeitnah abgeklaert werden. Die Oeldruck-Warnleuchte (rot) oder Temperaturwarnung erfordert sofortiges Anhalten - Weiterfahrt kann den Motor zerstoeren.
Häufige Fragen
Muss ich beim EU-Import Mehrwertsteuer zahlen?
Ja, bei Neuwagen und jungen Gebrauchtwagen (unter 6 Monate oder unter 6.000 km) müssen Sie immer 19% deutsche Umsatzsteuer ans Finanzamt abführen. Bei älteren Gebrauchtwagen von Privatpersonen entfällt dies.
Lohnt sich ein Reimport finanziell?
Bei Neuwagen können Sie durch EU-Reimporte 10-25% sparen. Ein VW Golf für 35.000 Euro Listenpreis kostet als Reimport oft nur 27.000-30.000 Euro. Abzüglich Überführungskosten (ca. 500-1.000 Euro) bleibt eine deutliche Ersparnis.
Brauche ich eine TÜV-Einzelabnahme für EU-Importe?
Nicht wenn das Fahrzeug eine EU-Typgenehmigung hat und Sie das COC-Dokument (EG-Übereinstimmungsbescheinigung) vorlegen können. Ohne COC ist eine Vollabnahme nach § 21 StVZO erforderlich.
Was ist guenstiger: Leasing, Finanzierung oder Barkauf?
Das haengt von Ihrer Situation ab. Barkauf: Guenstigste Gesamtkosten, kein Zinsaufwand, volle Eigentumsrechte. Finanzierung: Flexible Raten, Auto gehoert nach Ablauf Ihnen, aber Zinskosten. Leasing: Niedrigste Monatsrate, immer aktuelles Modell, aber kein Eigentum und strenge Rueckgabebedingungen. Fuer Privatpersonen ist Barkauf oder 3-Wege-Finanzierung meist am guenstigsten, fuer Selbstaendige kann Leasing steuerlich vorteilhaft sein.
Wie viel Auto kann ich mir leisten?
Faustregel: Die monatlichen Auto-Gesamtkosten (Rate + Versicherung + Steuer + Kraftstoff + Wartung) sollten maximal 15-20% des Nettoeinkommens betragen. Bei 2.500 Euro netto bedeutet das maximal 375-500 Euro pro Monat fuer alle Autokosten. Kalkulieren Sie realistisch: Ein Golf-Klasse-Fahrzeug kostet im Vollkostenvergleich ca. 400-500 Euro pro Monat.
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