🔧 Das Wichtigste zum Reifenwechsel
- ✓ Wann wechseln: O-bis-O-Regel: Oktober bis Ostern = Winterreifen
- ✓ Zeitaufwand: ca. 20-30 Minuten für alle 4 Reifen
- ✓ Werkzeug: Wagenheber, Radkreuz/Drehmomentschlüssel, Handschuhe
- ✓ Drehmoment: Je nach Fahrzeug 110-140 Nm (steht in der Anleitung)
- ✓ Kostenersparnis: 50-80€ pro Wechsel (2x jährlich = 100-160€)
📑 Inhaltsverzeichnis
1. Wann Reifen wechseln?
❄️ Winterreifen aufziehen
- 📅 Zeitpunkt: Anfang bis Mitte Oktober
- 🌡️ Temperatur: Wenn dauerhaft unter 7°C
- ⚠️ Pflicht: Bei Schnee, Eis, Glätte (§2 StVO)
- 💡 Tipp: Lieber 1 Woche zu früh als 1 Tag zu spät
☀️ Sommerreifen aufziehen
- 📅 Zeitpunkt: Nach Ostern (April)
- 🌡️ Temperatur: Wenn dauerhaft über 7°C
- ⚠️ Achtung: Winterreifen verschleißen schneller im Sommer
- 💡 Tipp: Auf Spätfrost achten (bis Mitte April möglich)
O-bis-O-Regel: Von Oktober bis Ostern Winterreifen – einfache Eselsbrücke für den richtigen Zeitpunkt.
📊 Wann neue Reifen kaufen?
💡 Profiltiefe mit 1-Euro-Münze prüfen: Goldrand (3mm) sollte verdeckt sein.
2. Benötigtes Werkzeug
🔧 Grundausstattung (Pflicht)
- ✓ Wagenheber – Im Auto vorhanden oder Rangierwagenheber
- ✓ Radkreuz – oder Drehmomentschlüssel (besser!)
- ✓ Radmutternschlüssel – passende Größe (17mm, 19mm)
- ✓ Arbeitshandschuhe – Schutz vor Schmutz/Verletzung
⭐ Empfohlenes Zubehör
- ★ Drehmomentschlüssel – für korrektes Anzugsmoment
- ★ Rangierwagenheber – stabiler als Bordwagenheber
- ★ Unterstellböcke – zusätzliche Sicherheit
- ★ Reifenkreide – zum Markieren der Position (VL, VR, HL, HR)
- ★ Luftdruckprüfer – Kontrolle nach dem Wechsel
Investition lohnt sich: Ein guter Drehmomentschlüssel (30-50€) und Rangierwagenheber (25-40€) zahlen sich nach 2-3 Wechseln aus.
3. Vorbereitung vor dem Reifenwechsel
Ebene, feste Fläche wählen
Arbeiten Sie nur auf ebenem, festem Untergrund (Asphalt, Beton). Niemals auf Schotter, Rasen oder schrägen Flächen!
Handbremse anziehen & Gang einlegen
Handbremse fest anziehen. Bei Schaltgetriebe 1. Gang einlegen, bei Automatik auf "P" stellen.
Reifen markieren
Mit Kreide markieren: VL (vorne links), VR (vorne rechts), HL (hinten links), HR (hinten rechts). Wichtig für die Rotation!
Werkzeug und neue Reifen bereitlegen
Alle Werkzeuge griffbereit haben. Reifen auf Beschädigungen und Profiltiefe prüfen.
Radkappen entfernen (falls vorhanden)
Bei Stahlfelgen mit Radkappen diese vorher abhebeln. Bei Alufelgen entfällt dieser Schritt.
4. Schritt-für-Schritt Anleitung
⚠️ Sicherheitshinweis: Legen Sie sich niemals unter ein nur mit dem Wagenheber angehobenes Fahrzeug! Verwenden Sie bei längeren Arbeiten immer Unterstellböcke.
Radmuttern lösen (noch am Boden!)
Lösen Sie die Radmuttern/Radschrauben mit dem Radkreuz, während das Auto noch am Boden steht. Nur anlösen, nicht komplett herausdrehen!
Tipp: Gegen den Uhrzeigersinn lösen ("links locker"). Muttern über Kreuz lösen für gleichmäßige Entlastung.
Fahrzeug aufbocken
Setzen Sie den Wagenheber an der vorgesehenen Stelle an (Aufnahmepunkte am Schweller, siehe Bedienungsanleitung). Heben Sie das Fahrzeug an, bis das Rad frei schwebt.
Wichtig: Wagenheber nur an stabilen Aufnahmepunkten ansetzen! Falsches Ansetzen kann Karosserieschäden verursachen.
Radmuttern komplett lösen
Jetzt die angelösten Muttern/Schrauben vollständig herausdrehen. Legen Sie sie so ab, dass sie nicht wegrollen können.
Rad abnehmen
Ziehen Sie das Rad zu sich heran und nehmen Sie es ab. Falls es klemmt: leicht gegen die Innenseite klopfen.
Tipp: Schieben Sie das abgenommene Rad unter das Fahrzeug – bei Versagen des Wagenhebers fängt es das Auto auf.
Neues Rad aufsetzen
Setzen Sie das neue/andere Rad auf. Achten Sie auf die korrekte Laufrichtung (Pfeil auf der Reifenflanke)!
Achtung: Bei Reifen mit Laufrichtung zeigt der Pfeil in Fahrtrichtung. Falsches Aufziehen erhöht Verschleiß und verschlechtert Handling!
Radmuttern handfest anziehen
Schrauben Sie die Radmuttern/Radschrauben über Kreuz handfest an. Noch nicht mit vollem Drehmoment anziehen!
Fahrzeug ablassen
Lassen Sie das Fahrzeug vorsichtig ab, bis das Rad Bodenkontakt hat, aber das Fahrzeug noch nicht voll aufliegt.
Mit Drehmoment festziehen
Ziehen Sie die Radmuttern nun über Kreuz mit dem korrekten Drehmoment an (siehe Tabelle unten). Fahrzeug komplett ablassen und Wagenheber entfernen.
Sehr wichtig: Korrektes Drehmoment verhindert lose Räder (zu wenig) und beschädigte Gewinde (zu viel)!
5. Anzugsdrehmoment nach Automarke
Das korrekte Drehmoment variiert je nach Hersteller und Modell. Hier die gängigsten Werte:
| Automarke | Stahlfelge | Alufelge |
|---|---|---|
| Audi | 120 Nm | 120 Nm |
| BMW | 120 Nm | 120-140 Nm |
| Ford | 130 Nm | 130 Nm |
| Mercedes | 110 Nm | 110 Nm |
| Opel | 110 Nm | 120 Nm |
| Seat / Skoda | 110 Nm | 120 Nm |
| Toyota | 103 Nm | 103 Nm |
| Volkswagen (VW) | 110 Nm | 120 Nm |
| Hyundai / Kia | 110 Nm | 110 Nm |
| Renault | 105 Nm | 105 Nm |
Wichtig: Diese Werte sind Richtwerte. Das exakte Drehmoment für Ihr Fahrzeug finden Sie in der Bedienungsanleitung oder auf einem Aufkleber am Türrahmen/Tankdeckel.
6. Laufrichtung & Reifenrotation
➡️ Laufrichtung beachten
Viele moderne Reifen haben eine vorgeschriebene Laufrichtung (V-förmiges Profil). Die Laufrichtung ist durch einen Pfeil auf der Reifenflanke gekennzeichnet.
- ✓ Pfeil zeigt in Fahrtrichtung (vorwärts)
- ✓ Bei falscher Montage: schlechte Wasserableitung
- ✓ Erhöhte Aquaplaning-Gefahr bei falscher Richtung
🔄 Reifenrotation (Tauschen)
Für gleichmäßigen Verschleiß sollten Sie die Position der Reifen regelmäßig tauschen:
- ✓ Ohne Laufrichtung: Kreuzweise tauschen
- ✓ Mit Laufrichtung: Nur vorne/hinten tauschen
- ✓ Intervall: Alle 10.000-15.000 km
📐 Rotationsschema
7. Nach dem Reifenwechsel
Luftdruck kontrollieren
Prüfen Sie den Luftdruck an einer Tankstelle. Der richtige Wert steht am Türrahmen oder im Tankdeckel. Bei kalten Reifen messen!
RDKS zurücksetzen (falls vorhanden)
Bei Fahrzeugen mit Reifendruckkontrollsystem (RDKS) muss dieses nach dem Wechsel neu angelernt werden. Siehe Bedienungsanleitung.
Radmuttern nachziehen
Nach 50-100 km unbedingt das Drehmoment nachkontrollieren! Neue Räder können sich setzen.
Abgenommene Reifen einlagern
Reifen kühl, trocken und dunkel lagern. Mit Felge: liegend stapeln oder an Wandhalterung. Ohne Felge: stehend, regelmäßig drehen.
⚠️ Wichtig: Ziehen Sie nach 50-100 km die Radmuttern nach! Dies ist keine optionale Empfehlung, sondern sicherheitsrelevant.
8. Häufige Fehler vermeiden
❌ Diese Fehler unbedingt vermeiden
- ✗ Radmuttern auf angehobenem Fahrzeug lösen
- ✗ Falsches oder gar kein Drehmoment verwenden
- ✗ Laufrichtung ignorieren
- ✗ Wagenheber an falscher Stelle ansetzen
- ✗ Nachziehen nach 50 km vergessen
- ✗ Auf unebenem Untergrund arbeiten
✅ So machen Sie es richtig
- ✓ Radmuttern am Boden lösen, dann aufbocken
- ✓ Drehmomentschlüssel mit richtigem Wert nutzen
- ✓ Pfeil auf Reifen = Fahrtrichtung
- ✓ Aufnahmepunkte aus Anleitung beachten
- ✓ Kalender-Erinnerung für Nachziehen setzen
- ✓ Ebener Asphalt oder Beton
9. Häufige Fragen zum Reifenwechsel
Wie oft sollte ich die Reifen wechseln?
Zweimal jährlich: Im Oktober auf Winterreifen, nach Ostern (April) auf Sommerreifen. Bei Ganzjahresreifen entfällt der saisonale Wechsel, aber eine jährliche Rotation (vorne/hinten tauschen) ist trotzdem empfehlenswert.
Kann ich Reifen ohne Drehmomentschlüssel wechseln?
Technisch ja, aber nicht empfohlen. Ohne Drehmomentschlüssel riskieren Sie zu festes Anziehen (beschädigte Gewinde, schweres Lösen) oder zu lockere Räder (Sicherheitsrisiko!). Ein Drehmomentschlüssel kostet 30-50€ und ist eine lohnende Investition.
Was kostet der Reifenwechsel in der Werkstatt?
In der Werkstatt kostet der Reifenwechsel (nur Umstecken, keine Montage auf Felge) ca. 15-25€ pro Rad, also 60-100€ gesamt. Mit Wuchten und RDKS-Service oft 80-150€. Selbst wechseln spart also 100-160€ pro Jahr (2x Wechsel).
Wie lagere ich Reifen richtig?
Mit Felge: Liegend stapeln (max. 4 übereinander) oder an Wandhalterung hängen. Ohne Felge: Stehend lagern, alle 4-6 Wochen leicht drehen. Allgemein: Kühl (unter 25°C), trocken, dunkel, fern von Lösungsmitteln und Öl.
Wie alt dürfen Reifen sein?
Reifen sollten maximal 10 Jahre gefahren werden, auch bei ausreichendem Profil. Ab 6 Jahren empfiehlt sich eine jährliche Kontrolle auf Risse und Verhärtung. Das Alter erkennen Sie an der DOT-Nummer: z.B. "DOT ... 2419" = 24. Woche 2019.
Was bedeuten die Zahlen auf dem Reifen?
Beispiel: 205/55 R16 91V
• 205 = Reifenbreite in mm
• 55 = Verhältnis Höhe/Breite in %
• R = Radialreifen
• 16 = Felgendurchmesser in Zoll
• 91 = Tragfähigkeitsindex (615 kg)
• V = Geschwindigkeitsindex (bis 240 km/h)
Muss ich zum TÜV, wenn ich die Reifen selbst wechsle?
Nein, für den normalen Reifenwechsel (gleiche Größe) ist kein TÜV-Besuch nötig. Nur bei Änderung der Reifengröße oder anderer Felgen muss dies in den Fahrzeugpapieren eingetragen werden (Einzelabnahme nach §21 StVZO).
Fazit: Reifenwechsel selbst machen lohnt sich!
Mit der richtigen Vorbereitung und etwas Übung ist der Reifenwechsel in 20-30 Minuten erledigt. Sie sparen nicht nur 100-160€ pro Jahr, sondern sind auch unabhängig von Werkstatt-Terminen.
💡 Die wichtigsten Punkte: Radmuttern am Boden lösen, korrektes Drehmoment verwenden, Laufrichtung beachten und nach 50 km nachziehen!