Reifendruck richtig prüfen & einstellen

So kontrollieren Sie den Luftdruck Ihrer Reifen – für Sicherheit und weniger Verbrauch.

📊 Alle 2-4 Wochen 🚗 Bei kalten Reifen ⛽ Spart Sprit

Das Wichtigste zum Reifendruck

Warum ist der richtige Reifendruck so wichtig?

Der Reifendruck beeinflusst Sicherheit, Verbrauch und Reifenverschleiß erheblich:

Zu wenig Druck

  • Längerer Bremsweg
  • Höherer Verbrauch (+0,3 l/100km)
  • Schnellerer Verschleiß außen
  • Überhitzung möglich

Optimaler Druck

  • Maximale Sicherheit
  • Geringster Verbrauch
  • Gleichmäßiger Verschleiß
  • Bestes Fahrverhalten

Zu viel Druck

  • Weniger Grip
  • Härteres Fahrgefühl
  • Verschleiß in der Mitte
  • Platzer-Risiko bei Hitze

Wo finde ich den richtigen Reifendruck?

Die Sollwerte für Ihr Fahrzeug finden Sie an verschiedenen Stellen:

Typische Fundorte:

  • Türrahmen Fahrerseite: Aufkleber an der B-Säule
  • Innenseite Tankdeckel: Bei vielen Modellen
  • Handschuhfach: Manchmal als Aufkleber
  • Betriebsanleitung: Immer dort nachschlagen
  • Online: Hersteller-Website mit Fahrzeugdaten

💡 Unterschiedliche Werte!

Die Angaben unterscheiden sich oft nach Vorder- und Hinterachse sowie nach Beladungszustand (Teilbeladung vs. Vollbeladung). Achten Sie auf die richtige Spalte!

Typische Reifendruck-Werte

Fahrzeugtyp Vorne Hinten Vollbeladung
Kleinwagen 2,0-2,2 bar 1,8-2,0 bar +0,2-0,4 bar
Kompaktklasse 2,2-2,5 bar 2,0-2,3 bar +0,3-0,5 bar
Mittelklasse/Kombi 2,3-2,6 bar 2,1-2,4 bar +0,3-0,5 bar
SUV/Transporter 2,4-2,8 bar 2,4-3,0 bar +0,3-0,6 bar

⚠️ Diese Werte sind nur Richtwerte. Nutzen Sie immer die Herstellerangaben für Ihr Fahrzeug!

Reifendruck prüfen – Anleitung

✓ Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schritt 1: Reifen müssen kalt sein (vor der Fahrt oder nach mind. 30 Min. Stehen)
  2. Schritt 2: Ventilkappe abschrauben
  3. Schritt 3: Messgerät/Füllschlauch gerade auf Ventil drücken
  4. Schritt 4: Aktuellen Druck ablesen
  5. Schritt 5: Bei Bedarf Luft nachfüllen oder ablassen
  6. Schritt 6: Alle vier Reifen prüfen (+ Ersatzrad falls vorhanden)
  7. Schritt 7: Ventilkappen wieder aufschrauben

Kalt vs. warm messen – Der Unterschied

Kalte Reifen (empfohlen)

  • Vor der Fahrt oder nach 30 Min. Stehen
  • Herstellerangaben gelten für kalte Reifen
  • Exakte Messung möglich

Warme Reifen (nach Fahrt)

  • Druck ist ca. 0,2-0,3 bar höher
  • Niemals Luft ablassen!
  • Nur bei Unterdruck nachfüllen

⚠️ Nie bei warmen Reifen ablassen!

Wenn der Druck nach der Fahrt zu hoch erscheint, lassen Sie keine Luft ab. Die Erwärmung erhöht den Druck um etwa 0,2-0,3 bar. Nach dem Abkühlen wäre der Druck dann zu niedrig.

Wo kann ich den Reifendruck prüfen?

Ort Kosten Hinweis
Tankstelle Kostenlos Druckluftautomat, manchmal Münzautomat
Eigener Kompressor 30-100 € Einmalige Anschaffung, praktisch
Reifenhändler/Werkstatt Kostenlos Oft Service beim Reifenwechsel
Handliches Messgerät 5-20 € Nur messen, nicht befüllen

Reifendruckkontrollsystem (RDKS)

Seit November 2014 müssen Neuwagen in der EU mit einem Reifendruckkontrollsystem (RDKS) ausgestattet sein:

Direktes RDKS

  • Sensoren in jedem Reifen
  • Zeigt exakten Druck an
  • Höhere Ersatzteilkosten
  • Bei Reifenwechsel beachten

Indirektes RDKS

  • Nutzt ABS-Sensoren
  • Erkennt Druckverlust
  • Günstiger, keine Sensoren
  • Nach Reifenwechsel anlernen

💡 RDKS ersetzt nicht die Kontrolle!

Auch mit RDKS sollten Sie den Reifendruck regelmäßig manuell prüfen. Das System warnt erst bei deutlichem Druckverlust. Leichte Abweichungen werden nicht immer erkannt.

Weitere Tipps zum Reifendruck

✓ Praxis-Tipps

  • Vor Urlaubsfahrt: Druck für Vollbeladung einstellen
  • Anhängerbetrieb: Höheren Druck für Hinterachse wählen
  • Winterreifen: Druck wie bei Sommerreifen (gleiche Werte)
  • Ersatzrad: Regelmäßig mitprüfen (oft 4,2 bar bei Notrad)
  • Stickstoff: Kein Muss, normaler Luftdruck reicht völlig
  • Nach Temperaturwechsel: Erneut prüfen (10°C = ca. 0,1 bar)

Häufige Fehler vermeiden

✗ Das sollten Sie nicht tun

  • Bei warmen Reifen Luft ablassen
  • Ventilkappen dauerhaft weglassen (Verschmutzung)
  • Nur nach Augenmaß prüfen ("sieht platt aus")
  • Reifendruck ignorieren, weil RDKS vorhanden ist
  • Druck nie anpassen bei geänderter Beladung

Häufige Fragen zum Reifendruck

Wie oft sollte ich den Reifendruck prüfen?

Der Reifendruck sollte alle 2-4 Wochen kontrolliert werden, mindestens jedoch einmal im Monat. Vor längeren Fahrten (Urlaub, Autobahn) ist eine zusätzliche Prüfung empfehlenswert. Auch nach größeren Temperaturwechseln sollten Sie nachmessen.

Wo finde ich den richtigen Reifendruck für mein Auto?

Die Sollwerte finden Sie auf einem Aufkleber im Türrahmen der Fahrerseite, auf der Innenseite des Tankdeckels, im Handschuhfach oder in der Betriebsanleitung. Die Werte unterscheiden sich oft nach Achse und Beladungszustand.

Soll ich den Reifendruck bei kalten oder warmen Reifen messen?

Messen Sie immer bei kalten Reifen – also vor der Fahrt oder nach mindestens 30 Minuten Stehen. Die Herstellerangaben beziehen sich auf kalte Reifen. Nach der Fahrt ist der Druck durch die Erwärmung etwa 0,2-0,3 bar höher – lassen Sie dann keine Luft ab!

Was passiert bei zu niedrigem Reifendruck?

Zu niedriger Reifendruck führt zu längerem Bremsweg, höherem Kraftstoffverbrauch (ca. 0,3 l/100km mehr), schnellerem Reifenverschleiß an den Außenkanten und Überhitzung des Reifens. Im Extremfall kann der Reifen platzen.

Wie viel bar brauche ich für Vollbeladung?

Bei Vollbeladung (Urlaub, schweres Gepäck) sollten Sie den Druck um etwa 0,2-0,5 bar erhöhen, insbesondere an der Hinterachse. Die genauen Werte für Teil- und Vollbeladung finden Sie auf dem Aufkleber in Ihrem Fahrzeug.

Muss ich den Druck noch prüfen, wenn mein Auto ein RDKS hat?

Ja, auch mit Reifendruckkontrollsystem sollten Sie regelmäßig manuell prüfen. Das RDKS warnt erst bei deutlichem Druckverlust (oft erst bei 20% unter Sollwert). Leichte Abweichungen, die bereits den Verbrauch erhöhen, werden nicht immer erkannt.

Sicher & sparsam unterwegs

Prüfen Sie Ihren Reifendruck regelmäßig – für mehr Sicherheit und weniger Verbrauch!