Das Römö Motor Festival hat seit seiner Gründung 2013 eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Von einem kleinen Enthusiasten-Treffen mit 40 Teilnehmern ist es zum größten Strandrennen Nordeuropas geworden, mit über 180 Teilnehmern und 30.000 Besuchern jährlich. In diesem Beitrag erzählen wir die Geschichte des Festivals, stellen die wichtigsten Fahrzeugklassen vor und zeigen, wie Rømø zu einem Mekka für Hot Rod- und Oldtimer-Fans geworden ist.
Gründung 2013
Die Idee für das Römö Motor Festival entstand 2012 in einer Kopenhagener Oldtimer-Werkstatt. Eine Gruppe dänischer Motor-Enthusiasten diskutierte die legendären Daytona-Strandrennen der 1930er und 1940er Jahre in Florida und fragte sich, warum es in Europa kein vergleichbares Event gab. Die Antwort war ein Blick auf die Landkarte: Der Lakolk Strand auf Rømø bietet mit seiner 4 Kilometer breiten, harten Sandfläche bei Ebbe die idealen Voraussetzungen.
Das erste Römö Motor Festival fand im September 2013 statt. Die Veranstalter hatten 50 Teilnehmer erwartet, es kamen 40. Die Besucherzahl blieb mit rund 2.000 überschaubar. Doch die Atmosphäre und das Setting überzeugten: Die Kombination aus weiter Strandlandschaft, klassischen Fahrzeugen und entspannter, nicht-kommerzieller Atmosphäre prägte den Charakter des Events nachhaltig.
Wachstum 2015-2019
2014 kamen schon 60 Teilnehmer, 2015 überschritt die Teilnehmerzahl die magische 100-Marke. Die Besucherzahl wuchs parallel auf 10.000. Das Festival wurde in dänischen Motorzeitschriften groß besprochen, und erste deutsche, niederländische und britische Teilnehmer kamen hinzu. Die Mischung aus Vintage-Motorrädern, Hot Rods und frühen Oldtimer-Autos wurde zum Markenzeichen.
2018 und 2019 waren Rekordjahre: Über 150 Teilnehmer, rund 20.000 Zuschauer pro Jahr. Das Event wurde in den internationalen Oldtimer-Kalender aufgenommen. Die "Dutch Invasion" – niederländische Hot Rod Club-Teilnehmer – wurde zu einer festen Tradition. Ab 2019 kamen auch einzelne Teilnehmer aus den USA, die ihre Hot Rods speziell für das Festival per Schiff importierten.
Corona-Jahre 2020-2022
Die Corona-Pandemie traf auch das Römö Motor Festival hart. 2020 wurde das Festival komplett abgesagt, 2021 fand es in reduzierter Form nur für dänische Teilnehmer statt (rund 50 Teilnehmer, 5.000 Besucher). 2022 erholte sich das Event wieder, mit etwa 100 Teilnehmern und 15.000 Zuschauern. Die Organisatoren nutzten die schwierige Phase, um die Organisation zu professionalisieren.
Während dieser Zeit wurden wichtige Strukturen aufgebaut: Eine offizielle Webseite mit Teilnehmer-Anmeldung, ein einheitliches Regelwerk, Partnerschaften mit Sponsoren (u.a. aus der Oldtimer-Teile-Branche) und ein verbessertes Zuschauer-Management. Die Festival-Infrastruktur wurde robuster gemacht, um auch größeren Besucherzahlen gewachsen zu sein.
Revival ab 2023
2023 markierte das große Revival: Das Festival zog erstmals deutlich über 20.000 Zuschauer an und 140 Teilnehmer. 2024 und 2025 setzten den Wachstumstrend fort. Mit 2025 wurde ein Rekord von über 30.000 Besuchern erreicht, und das Festival wurde in der internationalen Oldtimer-Presse als eines der Top 5 Strandrennen-Events weltweit gelistet.
Die Entwicklung ist bemerkenswert: Von einem kleinen Enthusiasten-Treffen zum etablierten internationalen Event in nur 12 Jahren. Der Schlüssel zum Erfolg war die bewusste Entscheidung, den Charakter des Festivals nicht zu kommerzialisieren. Die Atmosphäre ist weiterhin entspannt, die Teilnehmer sind Freiwillige, und das Event bleibt bezahlbar für Besucher und authentisch für Teilnehmer.
Die Fahrzeugklassen
Das Römö Motor Festival hat mehrere Fahrzeugklassen. Die wichtigsten sind: 1. Vintage Motorcycles (vor 1945): Maschinen wie Indian Chief, Harley-Davidson Knucklehead, BMW R51, Norton Big Four, BSA Gold Star. Typische Leistungen: 30-60 PS. Kulturell der wertvollste Teil des Festivals.
2. Oldtimer Motorcycles (1945-1975): Von Vespas über Triumph Bonneville bis zu frühen Honda CB750. Teil der Nachkriegs-Motorradkultur, oft mit interessanten Modifikationen. 3. Hot Rods: Amerikanische Pickup-Trucks der 1930er-1950er mit modifizierten V8-Motoren. Leistungen bis 800 PS möglich. 4. Sprint Cars: Speziell für Sprintrennen gebaute, leichte Einsitzer.
5. Custom Bikes: Moderne Umbauten mit Retro-Elementen, oft Café Racer, Bobber oder Scrambler-Stil. 6. Special Customs: Alles, was nicht in die anderen Klassen passt – von Motorrad-Beiwagen-Kombis bis zu Dragster-Versuchen. Die Vielfalt der Fahrzeuge ist einer der größten Reize des Festivals.
Legendäre Fahrzeuge
Einige Fahrzeuge sind in der Geschichte des Römö Motor Festivals legendär geworden. Das "Red Devil" – ein 1934 Ford Hot Rod aus Dänemark mit 650-PS-Kleinblock-V8 – ist seit 2015 regelmäßig dabei und hält mit 174 km/h den inoffiziellen Festival-Rekord. Eine 1937 Indian Sport Scout mit originalem Motor und Fahrer-Sohn-Kombination kommt seit 2016 aus den Niederlanden.
Aus Deutschland war 2023 eine 1939 BMW R51 mit Beiwagen dabei, die in ihrem ursprünglichen Look konserviert war und große Aufmerksamkeit erhielt. Aus Großbritannien kommt seit 2018 eine 1951 Vincent Black Shadow, damals mit 200 km/h das schnellste Serien-Motorrad der Welt. Solche Fahrzeuge sind nicht nur für die Rennen wichtig, sondern auch für die Atmosphäre und die motorkulturelle Bedeutung des Events.
Internationale Teilnehmer
2026 nimmt ein wachsender Anteil internationaler Teilnehmer am Römö Motor Festival teil. Die größten Delegationen kommen aus Dänemark (60-70 Teilnehmer), Deutschland (30-40), Niederlande (20-25), Großbritannien (10-15), Schweden und Norwegen (jeweils 5-10). Vereinzelt sind auch Teilnehmer aus den USA, Australien und Japan dabei.
Die internationale Atmosphäre ist einer der Reize des Festivals. Teilnehmer tauschen sich in der Festival-Bar aus, teilen Tipps zu Restauration und Verbesserung ihrer Fahrzeuge und schließen oft dauerhafte Freundschaften. Viele kehren Jahr für Jahr wieder – einige sind seit der ersten Auflage 2013 dabei und gelten als "Festival-Urgestein".
Die Zukunft des Festivals
Für die kommenden Jahre ist weiteres Wachstum geplant, aber kontrolliert. Die Organisatoren wollen den Charakter des Festivals bewahren und keine kommerzielle Überformung zulassen. Für 2027 und 2028 sind unter anderem folgende Neuerungen geplant: Elektrofahrzeug-Klasse (für moderne Hot Rods mit E-Antrieb), Frauen-Only-Sprintrennen, erweiterte Ausstellungen und mehr Platz für Food und Social Events.
Das Festival hat auch Umweltaspekte im Blick. Ab 2026 werden klimafreundliche Anreise-Pakete beworben, die Entsorgung wird optimiert und der Lakolk Strand wird nach dem Festival sorgfältig gereinigt. Die Veranstalter arbeiten mit dem Nationalpark Wattenmeer zusammen, um die Naturverträglichkeit zu gewährleisten.