Hybridantrieb: Funktionsweise, Arten und Vor- und Nachteile

Mild-Hybrid, Vollhybrid oder Plug-in-Hybrid - welcher Hybridantrieb passt zu Ihnen? Wir erklaeren die Unterschiede, Funktionsweise und helfen bei der Entscheidung.

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Dr. Thomas Mueller Automobil-Experte & Chefredakteur
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Der Hybridantrieb kombiniert Verbrennungsmotor und Elektromotor in einem Fahrzeug. Das Ziel: Die Vorteile beider Antriebsarten nutzen - die Reichweite des Verbrenners und die Effizienz des E-Motors. Doch Hybrid ist nicht gleich Hybrid - es gibt grosse Unterschiede.

Was ist ein Hybridantrieb?

Ein Hybridfahrzeug verfuegt ueber mindestens zwei verschiedene Antriebsquellen:

  • Verbrennungsmotor: Meist Benzin, seltener Diesel
  • Elektromotor: Unterstuetzt oder ersetzt zeitweise den Verbrenner
  • Batterie: Speichert Energie fuer den E-Motor
  • Leistungselektronik: Regelt das Zusammenspiel der Motoren

Die drei Hauptarten von Hybridantrieben

1. Mild-Hybrid (MHEV)

Der Mild-Hybrid ist die einfachste Form:

  • Kleiner E-Motor (meist 48-Volt-System)
  • Unterstuetzt den Verbrenner beim Beschleunigen
  • Ermoeglicht Start-Stopp und Segeln
  • Kein rein elektrisches Fahren moeglich
  • Batterie: ca. 0,5-1 kWh
  • Verbrauchsersparnis: 5-15%

Beispiele: Audi A6 45 TFSI, BMW 320i, Mercedes C200

2. Vollhybrid (HEV)

Der Vollhybrid kann kurze Strecken rein elektrisch fahren:

  • Staerkerer E-Motor (20-80 kW)
  • Elektrisches Fahren bei niedrigen Geschwindigkeiten moeglich
  • Batterie wird nur durch Rekuperation und Verbrenner geladen
  • Kein externer Ladeanschluss
  • Batterie: ca. 1-2 kWh
  • Verbrauchsersparnis: 15-30%

Beispiele: Toyota Prius, Toyota RAV4 Hybrid, Lexus ES 300h

3. Plug-in-Hybrid (PHEV)

Der Plug-in-Hybrid hat die groesste Batterie und kann extern geladen werden:

  • Kraftvoller E-Motor (50-150 kW)
  • Rein elektrische Reichweite: 40-100 km (realistisch)
  • Externer Ladeanschluss (AC/DC)
  • Batterie: 8-20 kWh
  • Kann im Alltag oft rein elektrisch fahren
  • Foerderung und Steuervorteil in vielen Laendern

Beispiele: VW Golf GTE, BMW X5 xDrive45e, Mercedes GLC 300e

Vergleichstabelle der Hybridarten

MerkmalMild-HybridVollhybridPlug-in-Hybrid
E-Motor-Leistung10-20 kW20-80 kW50-150 kW
Batteriekapazitaet0,5-1 kWh1-2 kWh8-20 kWh
Rein elektrisch fahrenNeinKurze Strecken40-100 km
Externer LadeanschlussNeinNeinJa
Verbrauchsvorteil5-15%15-30%50-80% (bei Laden)
Mehrpreis1.000-2.000 EUR2.000-5.000 EUR5.000-15.000 EUR

Seriell, Parallel oder Leistungsverzweigt?

Serieller Hybrid

Der Verbrenner treibt nur einen Generator an. Die Raeder werden ausschliesslich vom E-Motor angetrieben. Beispiel: Nissan e-Power.

Paralleler Hybrid

Verbrenner und E-Motor koennen beide direkt die Raeder antreiben. Einfachste Konstruktion. Beispiel: Honda Insight (aeltere Generation).

Leistungsverzweigter Hybrid

Kombination aus beiden: Ein Planetengetriebe verteilt die Kraft variabel. Komplexester, aber effizientester Ansatz. Beispiel: Toyota Hybrid Synergy Drive.

Vorteile des Hybridantriebs

  • Niedrigerer Verbrauch: Besonders im Stadtverkehr
  • Keine Reichweitenangst: Verbrenner als Backup
  • Rekuperation: Bremsenergie wird zurueckgewonnen
  • Leiser Betrieb: Im E-Modus fast geraeuschlos
  • Steuervorteile: Bei PHEV oft reduzierte Kfz-Steuer
  • Dienstwagensteuer: PHEV mit 0,5% statt 1% (bei Kriterien)

Nachteile des Hybridantriebs

  • Hoeherer Anschaffungspreis: Zwei Antriebssysteme kosten mehr
  • Mehrgewicht: Batterie und E-Motor erhoehen das Gewicht
  • Komplexitaet: Mehr Bauteile, potentiell mehr Reparaturen
  • PHEV-Falle: Ohne Laden ist der Verbrauch hoch
  • Geringerer Kofferraum: Batterie braucht Platz

Fuer wen lohnt sich welcher Hybrid?

Mild-Hybrid

Ideal fuer alle, die einen modernen Motor mit etwas Verbrauchsersparnis moechten, ohne grosse Mehrkosten.

Vollhybrid

Perfekt fuer Stadtfahrer und alle mit viel Stop-and-Go. Keine Ladeinfrastruktur noetig.

Plug-in-Hybrid

Optimal wenn: Taegliche Strecke unter 50 km, Lademoeeglichkeit zu Hause/Arbeit, gelegentliche Langstrecken. Nicht sinnvoll wenn: Nie geladen wird!

Warnung: Ein PHEV, der nie geladen wird, verbraucht durch das Mehrgewicht oft mehr als ein vergleichbarer reiner Verbrenner!

Fazit

Der Hybridantrieb bietet fuer viele Fahrer einen sinnvollen Kompromiss zwischen Verbrennungsmotor und reinem Elektroantrieb. Vom sparsamen Mild-Hybrid ueber den bewaehrten Vollhybrid bis zum vielseitigen Plug-in-Hybrid - fuer jeden Einsatzzweck gibt es das passende Konzept. Wichtig ist, ehrlich den eigenen Fahrbedarf zu analysieren: Wer einen PHEV kauft, sollte auch regelmaessig laden - sonst verfehlt das Konzept seinen Zweck.

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Dr. Thomas Mueller

Automobil-Experte & Chefredakteur

Dr. Thomas Mueller ist seit ueber 15 Jahren als Automobiljournalist taetig und hat mehr als 500 Fahrzeuge getestet.

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