Die Direkteinspritzung ist heute Standard bei modernen Motoren. Ob Benziner oder Diesel - der Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt statt ins Saugrohr. Das Ergebnis: mehr Leistung, weniger Verbrauch. Aber wie genau funktioniert diese Technik?
Direkteinspritzung vs. Saugrohreinspritzung
Klassische Saugrohreinspritzung
- Kraftstoff wird ins Saugrohr gespritzt
- Vermischung mit Luft vor dem Einlassventil
- Gemisch stroemt in den Brennraum
- Niedrigerer Druck (3-5 bar)
Moderne Direkteinspritzung
- Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt
- Einspritzduese sitzt im Zylinderkopf
- Praezise Kontrolle ueber Menge und Zeitpunkt
- Hoher Druck (bis 350 bar bei Benzin, bis 2.500 bar bei Diesel)
Benzin-Direkteinspritzung
Funktionsprinzip
Bei der Benzin-Direkteinspritzung (bekannt als FSI, TSI, GDI, CGI je nach Hersteller) wird das Benzin mit bis zu 350 bar Druck direkt in den Brennraum gespritzt:
- Hochdruckpumpe erzeugt den noetigen Druck
- Einspritzventil (Injektor) spritzt fein zerstaeubt ein
- Einspritzung erfolgt waehrend des Ansaug- oder Verdichtungstakts
- Zuendkerze entzuendet das Gemisch
Betriebsarten beim Benziner
| Betriebsart | Lambda | Anwendung |
|---|---|---|
| Homogen | Lambda 1 | Volllast, hohe Leistung |
| Schichtladung | Lambda 1,5-3 | Teillast, Spritsparen |
| Homogen-mager | Lambda 1,3-1,5 | Uebergangsbereich |
Herstellerbezeichnungen
- VW/Audi: FSI, TFSI, TSI
- BMW: High Precision Injection
- Mercedes: CGI
- Opel: ECOTEC Direct Injection
- Ford: EcoBoost
- Hyundai/Kia: GDI, T-GDI
Diesel-Direkteinspritzung (Common Rail)
Was ist Common Rail?
Bei Common Rail wird der Kraftstoff in einem gemeinsamen Hochdruckspeicher (Rail) vorgehalten und von dort zu den einzelnen Injektoren geleitet:
- Hochdruckpumpe: Erzeugt bis zu 2.500 bar
- Rail: Speichert Kraftstoff unter konstantem Druck
- Injektoren: Piezo- oder Magnetventil-Injektoren spritzen praezise ein
- Steuergeraet: Regelt Einspritzzeitpunkt und -menge elektronisch
Mehrfacheinspritzung
Moderne Common-Rail-Systeme spritzen bis zu 8 mal pro Arbeitstakt ein:
- Voreinspritzung: Reduziert Verbrennungsgeraeusch
- Haupteinspritzung: Liefert die meiste Energie
- Nacheinspritzung: Zur Abgasnachbehandlung (Partikelfilter-Regeneration)
Vorteile der Direkteinspritzung
Fuer Benziner
- Hoehere Verdichtung moeglich: Innenkuehlung durch verdampfenden Kraftstoff
- Mehr Leistung: 5-15% mehr PS bei gleichem Hubraum
- Weniger Verbrauch: Bis zu 15% Ersparnis im Teillastbereich
- Besseres Ansprechverhalten: Schnellere Reaktion auf Gasbefehle
Fuer Diesel
- Geringere Emissionen: Praezisere Verbrennung
- Weniger Verbrauch: Optimierte Einspritzstrategie
- Leiserer Lauf: Mehrfacheinspritzung reduziert Nageln
- Mehr Drehmoment: Bessere Fuellung bei niedrigen Drehzahlen
Nachteile und Herausforderungen
- Hohe Kosten: Komplexe Hochdrucksysteme sind teuer
- Partikelemissionen: Benzin-Direkteinspritzer erzeugen Feinstaub
- Verkokung: Einlassventile koennen verkoken (kein Kraftstoff zur Reinigung)
- Reparaturkosten: Defekte Injektoren sind teuer
- Kraftstoffqualitaet: Empfindlicher gegenueber Verunreinigungen
Tipps zur Pflege
- Hochwertige Kraftstoffe: Premium-Sorten enthalten Reinigungsadditive
- Regelmaessig hohe Last: Brennraum wird freigebrannt
- Filterwechsel: Kraftstofffilter regelmaessig erneuern
- Bei Benzinern: Gelegentlich Einlassventilreinigung erwaegen
Fazit
Die Direkteinspritzung hat den Motorenbau revolutioniert. Ob als Benzin-Direkteinspritzung (TSI, FSI, GDI) oder als Common-Rail-Diesel - die praezise Kraftstoffdosierung ermoeglicht mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Die Technik ist allerdings komplex und erfordert hochwertige Kraftstoffe sowie regelmaessige Wartung. Fuer moderne, effiziente Motoren ist sie jedoch unverzichtbar.
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