Direkteinspritzung: Wie sie funktioniert und warum sie effizienter ist

Die Direkteinspritzung hat den Motorenbau revolutioniert. Erfahren Sie, wie Benzin- und Diesel-Direkteinspritzung funktionieren und welche Vorteile sie bieten.

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Dipl.-Ing. Stefan Weber Maschinenbau-Ingenieur & Motorenexperte
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Die Direkteinspritzung ist heute Standard bei modernen Motoren. Ob Benziner oder Diesel - der Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt statt ins Saugrohr. Das Ergebnis: mehr Leistung, weniger Verbrauch. Aber wie genau funktioniert diese Technik?

Direkteinspritzung vs. Saugrohreinspritzung

Klassische Saugrohreinspritzung

  • Kraftstoff wird ins Saugrohr gespritzt
  • Vermischung mit Luft vor dem Einlassventil
  • Gemisch stroemt in den Brennraum
  • Niedrigerer Druck (3-5 bar)

Moderne Direkteinspritzung

  • Kraftstoff wird direkt in den Brennraum gespritzt
  • Einspritzduese sitzt im Zylinderkopf
  • Praezise Kontrolle ueber Menge und Zeitpunkt
  • Hoher Druck (bis 350 bar bei Benzin, bis 2.500 bar bei Diesel)

Benzin-Direkteinspritzung

Funktionsprinzip

Bei der Benzin-Direkteinspritzung (bekannt als FSI, TSI, GDI, CGI je nach Hersteller) wird das Benzin mit bis zu 350 bar Druck direkt in den Brennraum gespritzt:

  1. Hochdruckpumpe erzeugt den noetigen Druck
  2. Einspritzventil (Injektor) spritzt fein zerstaeubt ein
  3. Einspritzung erfolgt waehrend des Ansaug- oder Verdichtungstakts
  4. Zuendkerze entzuendet das Gemisch

Betriebsarten beim Benziner

BetriebsartLambdaAnwendung
HomogenLambda 1Volllast, hohe Leistung
SchichtladungLambda 1,5-3Teillast, Spritsparen
Homogen-magerLambda 1,3-1,5Uebergangsbereich

Herstellerbezeichnungen

  • VW/Audi: FSI, TFSI, TSI
  • BMW: High Precision Injection
  • Mercedes: CGI
  • Opel: ECOTEC Direct Injection
  • Ford: EcoBoost
  • Hyundai/Kia: GDI, T-GDI

Diesel-Direkteinspritzung (Common Rail)

Was ist Common Rail?

Bei Common Rail wird der Kraftstoff in einem gemeinsamen Hochdruckspeicher (Rail) vorgehalten und von dort zu den einzelnen Injektoren geleitet:

  • Hochdruckpumpe: Erzeugt bis zu 2.500 bar
  • Rail: Speichert Kraftstoff unter konstantem Druck
  • Injektoren: Piezo- oder Magnetventil-Injektoren spritzen praezise ein
  • Steuergeraet: Regelt Einspritzzeitpunkt und -menge elektronisch

Mehrfacheinspritzung

Moderne Common-Rail-Systeme spritzen bis zu 8 mal pro Arbeitstakt ein:

  • Voreinspritzung: Reduziert Verbrennungsgeraeusch
  • Haupteinspritzung: Liefert die meiste Energie
  • Nacheinspritzung: Zur Abgasnachbehandlung (Partikelfilter-Regeneration)

Vorteile der Direkteinspritzung

Fuer Benziner

  • Hoehere Verdichtung moeglich: Innenkuehlung durch verdampfenden Kraftstoff
  • Mehr Leistung: 5-15% mehr PS bei gleichem Hubraum
  • Weniger Verbrauch: Bis zu 15% Ersparnis im Teillastbereich
  • Besseres Ansprechverhalten: Schnellere Reaktion auf Gasbefehle

Fuer Diesel

  • Geringere Emissionen: Praezisere Verbrennung
  • Weniger Verbrauch: Optimierte Einspritzstrategie
  • Leiserer Lauf: Mehrfacheinspritzung reduziert Nageln
  • Mehr Drehmoment: Bessere Fuellung bei niedrigen Drehzahlen

Nachteile und Herausforderungen

  • Hohe Kosten: Komplexe Hochdrucksysteme sind teuer
  • Partikelemissionen: Benzin-Direkteinspritzer erzeugen Feinstaub
  • Verkokung: Einlassventile koennen verkoken (kein Kraftstoff zur Reinigung)
  • Reparaturkosten: Defekte Injektoren sind teuer
  • Kraftstoffqualitaet: Empfindlicher gegenueber Verunreinigungen

Tipps zur Pflege

  • Hochwertige Kraftstoffe: Premium-Sorten enthalten Reinigungsadditive
  • Regelmaessig hohe Last: Brennraum wird freigebrannt
  • Filterwechsel: Kraftstofffilter regelmaessig erneuern
  • Bei Benzinern: Gelegentlich Einlassventilreinigung erwaegen

Fazit

Die Direkteinspritzung hat den Motorenbau revolutioniert. Ob als Benzin-Direkteinspritzung (TSI, FSI, GDI) oder als Common-Rail-Diesel - die praezise Kraftstoffdosierung ermoeglicht mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Die Technik ist allerdings komplex und erfordert hochwertige Kraftstoffe sowie regelmaessige Wartung. Fuer moderne, effiziente Motoren ist sie jedoch unverzichtbar.

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Dipl.-Ing. Stefan Weber

Maschinenbau-Ingenieur & Motorenexperte

Stefan Weber ist diplomierter Maschinenbauingenieur mit Schwerpunkt Verbrennungsmotoren.

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